It’s time to turn up the heat – Wie Beziehung hilft, uns an kalten Tagen warm zu halten

Es ist kalt draußen. Das Thermometer zeigt -12 Grad Celsius. Das ist schon richtig kalt! Im Südosten von England, wo ich aufgewachsen bin, kannte ich solche Temperaturen nicht. Dort war -1 bereits die Extremtemperatur und wir hatten dann “kältefrei”.

Ich suche nach Wegen, uns warm zu halten. Morgens wärme ich die Kleidung meiner Kinder auf der Heizung vor, suche ihre lange Unterwäsche, alle Jacken, Mützen, Handschuhe zusammen. Ich packe ihnen einen warmen Tee statt Wasser ein. Abends kuscheln wir zusammen unter dicken Decken vor dem Kamin.

Wir halten uns warm, um gesund zu bleiben. Wenn uns warm ist, geht’s uns gut. Wir fühlen uns geborgen, umsorgt, geschützt. Ohne Wärme frieren wir, empfinden Stress, unser Körper schaltet ins Überlebensmodus. Es geht uns nicht mehr gut. Wärme hält uns am Leben.

Beziehung als Quelle der Wärme

Früher im Waldkindergarten haben wir im Winter mehrere Schichten angezogen, nach dem Zwiebelprinzip. An sehr kalten Tagen haben wir uns morgens eine “extra-Schicht Liebe” angelegt, weil sie – so unser Sohn – noch besser als alle Jacken und Mützen warm hält. Unsere Liebesbeziehungen halten uns warm. Wir haben engen Kontakt, kuscheln, achten besonders darauf, uns gegenseitig Zuwendung zu schenken und unsere Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.

Doch wir verbringen nicht (immer) den ganzen Tag im Warmen zusammengekuschelt mit unseren Liebsten, mit Familie oder Freunden. Wir gehen raus in die Kälte, in die Arbeit, in den Kindergarten, in die Schule, machen unseren Wocheneinkauf im Supermarkt, sind in der Stadt unterwegs, begegnen Menschen auf der Straße. Dort ist es genau so wichtig für uns Menschen, dass uns warm ist. Ich bin überzeugt: auch hier können wir eine extra-Schicht Liebe schenken und für mehr Wärme in diesen kalten Tagen sorgen.

Beziehungen sind eine wunderbare Quelle der Wärme, wenn wir sie authentisch leben und Raum für sie schaffen: In Beziehung sein, den anderen sehen und gesehen werden, unsere Einzigartigkeit erkennen und annehmen, unden. Wenn wir uns gesehen fühlen, spüren wir Nähe. Wir kommen in Kontakt miteinander.

Sich zeigen und mit Empathie begegnen

Allzuoft treibt uns die Organisation unseres immer mehr durchstrukturierten Alltags – in der Familie, in der Schule oder bei der Arbeit – in Rollen, die uns kurzfristig helfen, durch den Tag zu kommen, die aber keinen Raum für persönlichen Kontakt lassen, mehr Distanz als Nähe schaffen, und Beziehung verhindern.

Wir pflegen professionelle Distanz, begegnen uns aus der Notwendigkeit, Aufgaben auf unseren To-do-Listen abzuhaken. Grenzen, Regeln und Sanktionen werden zu unseren Kommunikationsmitteln. Wir bleiben unpersönlich und ohne Raum für individuelle Bedürfnisse, Emotionen, Ängste oder Sorgen. Die Distanz zwischen uns erweitert sich und es werden Machtverhältnisse geschaffen. Beziehung, der Kontakt und die Wärme, die diese erzeugen, bleiben aus.

Stattdessen können wir uns zeigen, uns öffnen und unsere Rollen gegen Raum für unsere Personen, für die menschliche Vielfalt, unsere unterschiedlichen Bedürfnisse, Kontakt und Unden eintauschen.

Beziehungen sind lebendig, das bedeutet Reibung und Reibung erzeugt Wärme.

Denn wenn unterschiedliche Menschen aufeinander treffen, wird es Reibung geben. Das darf auch sein. Konflikte dürfen sein und wenn wir sie in Beziehung führen und unden, wachsen wir zusammen.

Ein kleiner Exkurs in die Physik bestätigt, dass wir uns hier bemühen dürfen!

Reibung beruht auf der Beschaffenheit der Kontaktflächen von Körpern. Bei rauen Flächen benötigt man große Kräfte, um die Körper relativ zueinander zu bewegen. Bei glatten Flächen genügen geringe Kräfte. Schaut man sich die Flächen auf mikroskopischer Ebene an, so erkennt man eine „Rauheit“ auf diesen Flächen. Diese sorgt dafür, dass sich die Gegenstände ineinander verhaken und diese halten sich somit gegenseitig fest.

– Frustfrei-lernen.de

Zuwendung und Aufmerksamkeit

Morgens ist für meine Kinder der Weg aus dem warmen Bett aktuell weit und schwer. Auch wenn sich alle bereits gut alleine anziehen und fertig machen können, wünschen sie sich in diesen kalten Tagen Hilfe dabei. Sie sehnen sich nach Kontakt, nach der extra-Schicht Liebe, die sie durch den Tag warm hält. Ich plane morgens mehr Zeit ein und helfe ihnen – aus Liebe – weil sie diesen zusätzlichen Kontakt gerade brauchen und weil das uns allen in diesen kalten Tagen warm hält.

Als im letzten Sommer meine Kinder öfter unterwegs waren, stundenlang für sich alleine spielten und ihr eigenes Ding machten, so sind sie in diesem Winter hauptsächlich in meiner unmittelbaren Nähe und wünschen sich öfter, dass ich mitspiele oder einfach dabei bin. Das mache ich, denn ich geniesse diese geschenkten gemeinsamen Stunden! Ich höre zu, spiele mit und bin dankbar für die Chance, meine Kinder, ihre Interessen und Ideen neu kennenzulernen. Und so werden diese wertvollen Knospen vor der Kälte geschützt, damit sie im Frühling wieder blühen können.

Anerkennung und Wertschätzung

Wir Menschen sind soziale Wesen und sehnen uns nach Nähe und Beziehung zu anderen Menschen. Fehlende Anerkennung oder Wertschätzung lässt uns kalt und führt zur Feindseligkeit.²,³ Wenn wir mit Menschen in Beziehung sind, spüren wir Wärme. Wenn wir uns sehen, sprechen oder umarmen, aber auch, wenn wir einen Brief bekommen, einen Anruf, eine Whatsapp-Nachricht. Durch all diese Kontakte merke ich: ich bin da, es gibt jemanden, der mich sieht und sich mit mir verbindet, ich werde wahrgenommen und wertgeschätzt.

Lasst uns ein Lächeln schenken, Hilfe anbieten, unsere Augen und Ohren für die Bedürfnisse anderer Menschen öffnen, neugierig auf Menschen sein, die anders sind, als wir selbst, uns auf Beziehung einlassen und die Reibungskraft für uns wirken lassen, damit unsere Welt für alle in diesen Tagen ein bisschen wärmer wird.

Gerne darfst Du auch mir ein Kommentar hinterlassen, ein Herzchen schenken oder die Liebe teilen ❤.

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¹ Zeig mir, wer Du wirklich bist! – Wahres Lernen braucht authentische Beziehungen

² Siehst Du mich? – mit Empathie die Welt verändern

³ http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1571369/Etwas-Wärme-braucht-der-Mensch/

http://www.frustfrei-lernen.de/mechanik/reibung.html

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Bild von Konstantin Yuganov, fotolia.com

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2 Kommentare zu „It’s time to turn up the heat – Wie Beziehung hilft, uns an kalten Tagen warm zu halten

    1. Liebe Katrin <3, ich danke DIR für dein Kommentar und wünsche dir vom Herzen viel Anerkennung und Wertschätzung für dich, dein Sein und dein Tun. Ich war auf deinem Blog…welche tolle Kreativprojekte! Ich liebe besonders die Grannie Squares. Eine meiner Töchter fängt gerade mit Häkeln und Nähen an und ist begeistert (ich liebe die Ergebnisse, kann aber selbst (noch nicht) weder häkeln noch wirklich gut nähen). Ich freue mich darauf, öfter bei dir vorbeizuschauen und Inspiration zu finden. Schön, dich und deine Seite zu gefunden zu haben! ❤ Ganz liebe Grüße, Karen

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