Learn Nothing Day – der Tag, an dem ich versucht habe, nichts zu lernen

“Heute ist Learn Nothing Day!” habe ich gestern früh gelernt. Ich hörte zum ersten Mal von diesem Tag. Daraufhin habe ich – zugegeben gleich rebellisch – weiter recherchiert und gelernt, dass zum ersten Mal am 24. Juli 2008 von Freilerner-Mama Sandra Dodd in den USA zu diesem Tag aufgerufen wurde. Learn Nothing Day ist als Feiertag für Freilerner gedacht, da es bei Freilernen keine Ferien oder Feiertage wie im Schulleben gibt.

Bekannt ist dieser Tag am meisten jedoch dafür, dass ein Learn Nothing Day unmöglich ist. Es ist nicht möglich, einen ganzen Tag nichts zu lernen. Menschen lernen, immer, überall, zu jeder Zeit, bei jeder Tätigkeit, jeden Tag. Davon bin ich fest überzeugt. Aber ist es wirklich so? Ich nahm mir vor, diesen Tag, von dem ich gerade neu gelernt hatte, zu würdigen und nichts Weiteres zu lernen.

Ich habe also überlegt, wie ich den Rest des Tages gestalten kann, dass ich nichts (mehr) lerne. Wir hatten nach vollem Programm am Freitag und Samstag nichts vor, also kein Museumsbesuch, kein Waldtag, kein Stadtbesuch. Die Stadtbücherei hatte auch zu. Es stand dem Nichts-Lernen also schon mal keine bewußt geplanten bildenden Aktivitäten im Weg.

Nichts tun, war mein Gedanke. Kein Blick ins Internet, keine Kongress-Videos schauen, die Online-Kurs-Module einfach mal auslassen, keine Nachrichten-Apps, Online-Zeitungen, E-Mails, also am besten gar nicht mehr aufs Handy schauen. Mit niemandem reden. Einen Tee kochen, im Garten sitzen – ohne Buch oder Zeitung – und den Sonnenschein genießen.

Wie herrlich nur zu sitzen, nichts zu lesen, nichts zu denken und nichts zu lernen!

Dann kamen unsere Kätzchen, die zum ersten Mal in ihrem jungen Leben auch die frische Luft und den Garten schnuppern wollten. Zu meiner Überraschung blieben sie immer in Sichtweite auf der Terrasse, ganz in unserer Nähe, trauten sich noch nicht auf den feuchten Rasen. Ich überlegte: interessant, wie vorsichtig sie vorgehen, Schritt für Schritt, immer mit der Rückversicherung, dass wir da sind. Ich fragte mich: wie entwickeln Katzen eine Bindung zu ihren Menschen? Erleben Katzen so was wie Trennungsängste? Wo ist das Katzenbuch?….o.O. Kein Tag zum Fragen stellen, erinnerte ich mich gerade noch rechtzeitig.

Am besten einfach die Augen zumachen und gar nichts mehr beobachten.

Wie schön, einfach zu sitzen, die Stille und die Wärme zu genießen, nichts zu sehen und an nichts zu denken!

“Können wir einen Aprikosenkuchen für meine Geburtstagsrunde morgen backen, so ein Blech mit ganz vielen saftigen Aprikosen?” fragte mein Sohn. Ah! Die Geburtstagsrunde in der Schule. Stimmt, wir wollten nachmittags noch backen. Ich backe gerne und viel, aber einen Aprikosenblechkuchen hatte ich noch nie gebacken. Ausgerechnet am Learn Nothing Day etwas Neues backen! OK, war klar: Google sollte ein leckeres Aprikosenkuchenrezept liefern. Vielleicht müßte ich nichts Neues lernen; Kuchen backen konnte ich ja schon.

Wie, Vanillepudding in den Kuchen?! Stand im Rezept. Das hatte ich noch nie gehört. Wieso das denn? Schon wieder diese Fragen. Vermutlich, weil es Stärke ist? Vielleicht um den Kuchen mit den saftigen Aprikosen zu binden? Mein Sohn und ich fragten einmal wieder Google.

Und so wie bei Harry Potter, wenn Onkel Vernon sich freut, dass am Sonntag keine Post kommt, bevor Tausende von Hogwarts-Briefen aus dem Schornstein schießen, so ging es mir auch am Learn Nothing Day mit den Fragen, die den ganzen Tag angeschossen kamen. Die Neugier wollte keine Pause machen, auch nicht am Sonntag, auch nicht am Learn Nothing Day.

“Wie schreibt man ‘Erde’?”

“Was ist ein Atlas?“

“Kann ich eine Weltkugel aus Pappmaché machen?”

“Wieviele Plätze hat der DFB-Teambus?”

“Hat der DFB nur einen Teambus?”

“Sind Bibi und Tina und Alex echte Menschen?”

“Könnte ich dann die echten Bibi und Tina und Alex Menschen zu meinem Geburtstag einladen?”

“Warum ist Blut rot?”

“Woher wissen Katzen, dass das Katzenklo ein Katzenklo ist?“

Und noch viel mehr.

Es geht wirklich nicht, nichts zu lernen. Jede Beobachtung, jede Begegnung, jede Aktion, jedes Spiel ist ein Funke für die Neugier und für die Kreativität. Auch wenn wir es uns nicht aktiv aussuchen, können wir Menschen nicht anders als zu lernen. Ein Leben lang und ohne Pausentag. Ich habe es am Learn Nothing Day gelernt :-D.

Kennst Du Learn Nothing Day? Kannst Du Dir einen Tag vorstellen, an dem Du nichts lernst?

Wer es dennoch mal versuchen will: Learn Nothing Day – 24. Juli

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Learn Nothing Day Bild über Sandra Dodd 3.bp.blogspot.com

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2 Kommentare zu „Learn Nothing Day – der Tag, an dem ich versucht habe, nichts zu lernen

  1. I’d never heard of Learn Nothing Day. Well done for trying ;). Oh how this made me laugh though, especially the questions about the team bus. Very familiar.
    I need to know how the cake turned out!?

    Gefällt 1 Person

    1. The team bus is THE thing. I was lucky enough to have a whole football stadium cake made by a dear friend and her kids :-). Gummibear players, lines persons, yellow-card foul et al 😀 I’ll send a picture!

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