Mutprobe Vertrauen – wie ich gelernt habe, nicht nach unten zu schauen

Das Thema Mut beschäftigt mich gerade. Dieser Blog, ein Projekt, das ich lange in mir herumgetragen habe, ist nun online. Ich habe es gewagt, mich zu öffnen, mich zu zeigen, mich für mein Thema einzusetzen. Mit dem Veröffentlichen dieses Blogs habe ich in mir selbst einen ganzen Prozess ins Rollen gebracht: ich merkte, ich habe mit Ängsten zu tun, mit der Angst, nicht angenommen zu sein, Fehler zu machen. Es ist ein Prozess des Mutigwerdens, ein Reifeprozess.

Mut durch Beziehung

In ihrem Buch Mut: Wie Kinder über sich hinauswachsen beschreibt Nicola Schmidt¹, wie Kinder Mut fassen, wie eine sichere Basis die Vorbedingung für Mut ist, dass Mut bedeutet, über die eigenen Grenzen zu gehen, Fehler zu machen. An mir habe ich gemerkt, wenn ich mich auf meine sichere Basis – auf die Beziehung zu meiner Familie und zu meinen Freunden – verlassen kann, fühle ich mich frei. Ich traue mich dann, über meine Grenzen zu gehen, meine Komfortzone zu verlassen und weiß, wenn ich Fehler mache – und diese mache ich auch! – fängt mich meine sichere Basis auf und ich kann daraus lernen.

Mut zum Vertrauen: unser Tag im Hochseilgarten

Neulich hatte ich die Gelegenheit, mit meinem Sohn in einen Hochseilgarten zu gehen. Das hatte er sich schon länger gewünscht und auch ich habe so etwas früher total gerne gemacht. Als er wollte, dass ich ihn begleite, war ich begeistert.

Dann war ich oben. Und ich hatte Angst. Das Seil, das mich gesichert hat, hat gewackelt. Die Abstände der Trittwege waren groß. Ich habe gezittert, hatte Schweiß an den Händen. Jeder Schritt war für mich eine große Mutprobe.

Dann kamen mir diese Gedanken um meinen Sohn: alles war mir wackelig und hoch, mein Sohn war gesichert, klar, aber was wäre, wenn er auch Angst bekäme oder gar stürzen würde? Ein Sturz würde ihm vermutlich einen großen Schock einjagen, womöglich ihm den Mut nehmen, weiterzumachen. Ich wünschte mir, dass er es schafft und ein positives Erlebnis hat. Als diese Gedanken in mir kursierten, ist mein Sohn vorgezogen, leicht und sicher über die ersten beiden Hindernisse. In dem Augenblick hätte ich zu ihm vorrufen können: „Hast du gemerkt, wie hoch es ist? Geht’s dir gut? Schaffst du das?” oder sogar “Vorsicht! Pass auf, dass du nicht fällst!”. Schließlich müßten die Abstände ihm noch viel größer vorkommen.

Stattdessen habe ich meine Empfindungen für mich behalten, meinen Sohn einfach beobachtet, wie er vorgeht, was er ausprobiert, wie er Entscheidungen trifft, weiterzugehen, wie er weitergeht, dann zurück, um einen anderen Weg zu finden. Ich wußte, er war gesichert. Und dann beschloss ich, ihm zitternd, mit schweißgebadeten Händen und meinem ganzen Mut hinterher zu gehen. Als wir die Runde geschafft hatten, war ich ziemlich erleichtert. Mein Sohn wollte gleich nochmal. Dieses Mal war es ihm aber nicht wichtig, dass ich ihn begleite, und so ist er alleine über die Hindernisse losgezogen. Ich konnte ganz entspannt zuschauen, da ich wußte, er war für alle Fälle gesichert, und ich hatte Vertrauen.

„Du hast bestimmt nach unten geschaut!“

Unten auf dem Boden wieder angekommen habe ich meinem Sohn erzählt, wie es mir gegangen war. Er meinte zu mir, „Mama, Du hast bestimmt nach unten geschaut!”. Natürlich hatte er recht. Ich hatte „nach unten geschaut“, mir überlegt, was er alles für Erfahrungen machen könnte, die ihn herunterziehen, von seinem Weg abbringen könnten. In dem ich aber diese Überlegungen für mich behalten habe, konnte er seinen Blick oben halten und seinen Weg gehen. Für diesen kurzen Augenblick des Innehaltens bin ich dankbar.

Vertrauensvoller Begleiter

Wenn ich an meiner früheren Arbeit denke, habe ich meine Ziele am besten erreichen können, als ich einen Manager hatte, bei dem ich sein Vertrauen in mir gespürt habe, bei dem ich Fehler machen und daraus lernen konnte, immer zu wissen, es gibt jemanden, der mich begleitet und Vertrauen in mir hat, dass ich meinen Weg finde, auch wenn es nicht sein Weg ist.

Als Begleiter kann es zu einer Mutprobe werden, Vertrauen zu fassen. Wir werden aufgefordert, über die eigenen Grenzen zu gehen, die Komfortzone zu verlassen. Wenn wir aber für Sicherheit sorgen und dann nicht nach unten schauen, sind wir in der Lage, wahrhaftige, wundervolle Lernprozesse zu beobachten und zu begleiten.

Wie sehen für Dich Mut und Vertrauen aus? Welche Menschen haben Dich auf Deinem Weg mit Vertrauen begleitet? Was hat das für Dich bewirkt? Ich freue mich darauf, Dein Kommentar hier zu lesen.

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¹ Nicola Schmidt artgerecht: Happy Families. Happy Planet

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